Sonntag, 10. Februar 2013

Deutschland oder Dänemark - Hauptsache IKEA

Es wäre vielleicht ein bisschen übertrieben zu behaupten, die Dänen würden die Schweden nicht mögen. Aber wirklich nur ein bisschen. Das einzige Blau-und-Gelb das hier genausogut ankommt wie überall sonst ist IKEA. Copenhagen ist ja keine wirklich riesige Stadt - eine halbe Million Einwohner in der Stadt selbst und nochmal etwas mehr im direkten Umland -, aber es gibt gleich zwei von den großen schwedischen Möbelhäusern im Vollformat.

Eigentlich wäre ich ja mit meinem Mitbewohner Lars - von dem ein andermal mehr - bequem in einem Kombi, den er sich vom Carsharing besorgt hätte, raus in die Vorstadt gefahren, wenn ich die Idee nicht bei meinem Chef Espen erwähnt hätte. Espens Tochter braucht nämlich neue Kleiderschränke - logisch, sie ist 16 -, seine Frau braucht mehr Stauraum in der Waschküche und eine schicke Kücheninsel, und Espen mag die günstigen Hotdogs aus der Schwedenshop-Cafeteria.

Also habe ich für meine blaue IKEA-Tüte voll Kleinkram, einen Stuhl und einen Nachttisch einen Fiat Ducato gemietet, damit wir genug Platz hatten für die Möbel der anderen. Das ist gar nicht böse gemeint: Wir hatten einen richtig netten Tag miteinander, ich hatte Familienanschluss und ein gutes Abendessen, und natürlich haben wie die Kosten geteilt. Ich hätte nur nicht unbedingt für meine erste Autofahrt im fahrradverseuchten Kopenhagen einen Dreieinhalbtonner haben müssen, schon gar nicht, weil es fünfzehn Jahre her ist, seit ich zuletzt so ein Ding gefahren bin und das Fahrzeug mindestens genauso alt war. Direkt um die Ecke von meiner Wohnung hier gibt es nämlich eine kleine Autovermietung, deren Preise etwa bei der Hälfte dessen liegen, was die großen Firmen wollen. Dafür gibt es dann, in unserem Fall, einen zurückgebauten Krankenwagen mit mehr Beulen und Schrammen als ein Schwergewichtsboxer nach zwölf Runden. Ich hab zwar Blut und Wasser geschwitzt, aber letztlich hat alles gut geklappt, auch wenn ich hier fürs Protokoll festhalten möchte, dass ein Hersteller, der schon in Kleinwagen keine sauber funktionierenden Schaltgetriebe zustande bringt, eigentlich keine Nutzfahrzeuge bauen sollte. Kuppeln und Schalten in dem Ding ist, als wollte man einen Elefanten ausbeinen.

Der IKEA-Markt in Gentöfte ist übrigens eine besonders schöne Konstruktion auf mehreren Ebenen, und die meisten Parkplätze sind ebenerdig unter dem Ausstellungsraum. Für uns hieß das, dass wir den Transporter auf dem kleinen Vorhof-Parkplatz unterbringen mussten, weil er mit seinem Dachaufbau nicht durch die Hofeinfahrten gepasst hätte. Und auch wenn die Dänen einiges besser machen als wir: ihre Parkplätze sind genauso idiotisch eng geschnitten wie die deutschen. Das Einparkmanöver war dann auch etwas langwieriger - und ein Vertrauensbeweis meines Chefs, der sich zum Reinwinken todesmutig zwischen die Stoßstangen gestellt hat. Zum Schluss hatten wir aber einen Erfolg wie aus dem Bilder- oder vielmehr Malbuch: wir sind genau in den Linien geblieben.

Und weil wir knallharte Wissenschaftler und echte Kerle sind, haben Espen und ich dann noch in der Nacht Themenvorschläge für die DiGRA aus dem Kreuz geleiert, die größte Computerspielfachtagung überhaupt - ich, weil ich erst mittwochs von der noch laufenden Frist erfahren habe, Espen, weil er zu kaltschnäuzig ist für diese Welt. (Mein Lieblingszitat: "Zwei Stunden vor Abflug am Flughafen sein? Die haben Sie ja nicht mehr alle. Ich rufe mir eine Stunde vorher ein Taxi!") Als ich um halb eins mit meinen Texten fertig war, wollte er noch ein gemeinsames Thema aus dem Stein schlagen. Ich bin wahrscheinlich ein Weichei, aber ich aber artig fürs Angebot gedankt und bin ins Bett gefallen.

Am Samstag habe ich mir dann einen Schraubenzieher besorgt und Kullen, Kalvö und Selje zusammengeschraubt. Wenn ich jetzt noch einmal alle Möbel umgestellt habe, sollte ich es akzeptabel gemütlich haben. Wenn man auf die Vierzig zugeht, ist ein Leben ohne Nachttisch und Wäschekommode nicht mehr wirklich diskutabel.


Und die Möbel sind in jedem Fall eine Investition in die Zukunft. Kalvö ist nämlich ein Regiestuhl. Wenn ich dann also mal irgendwann zum Arbeitsamt muss, kann ich mir den Spaß erlauben und den Löwenbändiger geben. Oder den Filmregisseur, in dem Fall.

 
Mal sehen, wie schnell ich dann vermittelt werde.


1 Kommentar:

  1. "Ausbeinen" ist ein schönes Wort. ;-)

    Grüße nach Kopenhagen!

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